Reiche behinderte Kinder sind nur halb so behindert wie arme, fürchte ich.

Allgemein

Ach je. Das Kind hat ja eine leichte körperliche Behinderung, ich weiß nicht, ob ich das schon mal erwähnt hab. Es läuft nicht, vielleicht später mal, aber bisher ist mit Fortbewegung nun mal Essig. Kinderwagen geht natürlich in der City super, aber für den nächsten Urlaub und aus reinem Bedürfnis muss demnächst mal so ne Kraxe her. Das Tragetuch war lange richtig toll, dann war die Trage besser, weil so ein Kind irgendwann zu lang und zu schwer wird um es vorne zu tragen und jetzt ist es glaube ich so langsam mal die Kraxe.

Keine Sorge, sobald ich mich hier ausgekotzt habe geht es auch gleich um Restesocken.

Ist ja eh krass, dass man mit einem Kinderwagen fast so stark auf Barrierefreiheit angewiesen ist wie jemand im Rolli. Deswegen habe ich den Wurm das erste Jahr durch auch fast nur getragen. War also in erster Linie Faulheit. Weil ich keine Lust hatte, immer Umwege zu gehen, bis ich an den barrierefreien Eingang mit Aufzug komme. Ihr könnt mich mal, ich schnalle mir den Köttel um und gehe vorne durch die Tür.

Kraxe für den Köttel

Was ich aber jetzt bei den Kraxen so richtig merke: Wie machen das eigentlich arme Leute? Leute, die nicht mal eben 200, 300, 400 Euro für einen Wanderrucksack mit Kinderfunktion raushauen können? Ein Tragetuch geht ja noch, das kriegst du beim dämlichen Mamikreisel für nen Fuffi. Ist ja sogar billiger als Kinderwagen. Aber auch die: Kriegste billig, aber so schäbig baumelt dann dein Kind da auch drin rum.

So eine Kraxe die ich gut finde kostet also nun um die 300 Euro. Minimum. Ich rede mir das schön, weil wir sie mit dem Kind ja lange brauchen werden, weil es ja nicht von heute auf morgen wird laufen können und weil man da auch Stauraum mit kauft und sich selbst einen gesunden Rücken, denn der leidet mittlerweile, oh, wie der leidet, der Wurm ist schwer, die Einkäufe sind schwer, die Stadt hat viele Hügel, aber dennoch: teuer. Und die Eltern, die sich Zeug nicht leisten können, oder vielleicht auch einfach gar nicht wissen, dass es Zeug gibt, weil sie nicht den halben Tag im Büro vor Facebook verpimmeln, sondern nützliche, richtige Jobs machen, diese Eltern treffe ich dann manchmal in der Frühförderstelle. Oh, dünnes Eis, ich weiß. Was ich damit sagen will: Ich glaube, öfter als uns lieb ist ist die Behinderung eines Kindes gar nicht angeboren sondern ist ein Systemfehler. Und ich meine damit überhaupt nicht, dass die Eltern einen schlechten Job machen. Das ist glaube ich echt nur wirklich selten der Fall. Aber da fehlen dann Infos, da fehlt dann Geld, dann fehlt dann Geduld weil das Geld fehlt…

Give! The! Money!

Und wir haben Glück und das Kind wird gefördert wie blöde und wir können uns meistens irgendwas leisten und haben Bücher gelesen, weil unsere Eltern uns immer schon welche gegeben haben, also haben wir auch jetzt welche und lesen sie und wissen Sachen, die wir beim Kind anwenden, und wir geben auch dem Kind Bücher, denn auch wenn es nie laufen lernt und sowieso nie eine Sportskanone wird, Bücher lesen geht immer, und das Würmchen liebt sie, die Bücher, und schaut und schaut und schaut sich die Bilder an.

Boah endlich, die Socken.

Ich stricke dazu an den Abenden Reste weg und bin fast ein bisschen traurig, dass die Restesocken schöner sind als der ganze Shit, den ich mit so viel Mühe sonst so raus haue. Dieses Mal sind es zwei selbstgestreifte Wollen gegeneinanderverzwirbelt, also jede Runde gewechselt. Spitze und Bündchen einfach in schwarz. Als Ferse habe ich mir Vanilla is the new black ausgesucht, die ich für überteuert halte, aber eben schön. Bündchen: Erstes Mal Mäusezähnchen. Lästig, altbacken, nicht das was ich erwartet habe. Und null elastisch.

Geilen Jogger hab ich da auch noch an!

Die erste Socke habe ich Cuff down gestrickt, die zweite Toe up. Ich bleibe beim Toe up, vor allem bei Restesocken. Dann kann man stricken, bis die Wolle alle ist und muss sich keine Sorgen machen, ob sie langt. Mega ist deswegen, dass es die Vanilla-Ferse auch in einer Toe-up-Version gibt. Dafür habe ich dann tatsächlich mal das Geld ausgegeben (nicht wie für die Cuff-down-Variante, auf die ich einfach lange draufgestarrt habe, und dann ging es auch), und es hat sich gelohnt. Die sieht halt geil aus und allein wäre ich nicht drauf gekommen.

Aaaah, die Ferse. So hübsche Rippchen.

Falls sich jemand fragt, wie sich sicherstelle, dass ich genug Reste für zwei Socken habe: Ich wickele die Knäuel per Hand, dann wickele ich sie wieder ab auf ein zweites, bis ich sie halbiert habe und dann geht’s los.

Ein Gedanke zu “Reiche behinderte Kinder sind nur halb so behindert wie arme, fürchte ich.

  1. Pingback: kraus links

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s