Oh, Domino!

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Hunger! Ich versuche etwas abzunehmen, Babypfunde loswerden vor dem Sommer, aber klappt nicht. Das Kind war krank, Erkältung mit Fieber, also wenig raus gehen, wenig einkaufen, wenig Zeit zum frisch kochen. Heute gibt’s also Pizza von Domino’s, ausgerechnet, und zwar eine von den richtig fiesen. Mit Hackfleisch und Burgersauce und so.

Ganz ehrlich, man kann die Latte ja auch ein bisschen hoch hängen, ne? Ich weiß ja schon nicht, wie das Leute mit einem gesunden Kind hinbekommen. Meins ist ja jetzt nicht krank, aber hat nun mal sepcial needs, ist halt so. Alles dauert mit dem Würmchen ein bisschen länger, alle Phasen dauern auch ein bisschen länger, die Entwicklung ist verzögert, so sagt man, und wenn es bloß verzögert ist, dann soll es mir mal egal sein, hoffentlich lernt das Kind noch ganz, ganz viel. Laufen zum Beispiel, oh, das wäre hilfreich! Jetzt kann es ja frei sitzen, das ist auch schon toll. Man kann so ein Kind ja nun nicht überall einfach hinlegen, um mal die Hände frei zu haben. Also, kann man schon, aber mach das mal. Da gucken die aber im Biergarten ganz schön.

Restesocken!

Parallel stricke ich Restesocken, weil die im Moment die einzigen sind, die mir gefallen. Ich bin zu unkonzentriert für knifflige Muster und dann habe ich da noch so geschipperte, gefleckte Wolle, keine Ahnung wie man das eigentlich nennt, die ich in glatt rechts zu langweilig finde, aber die mir mit Muster fast nie gefällt. Vier Versuche, alle geribbelt. Der fünfte noch nicht, wird aber geribbelt. Da habe ich mich zusammengerissen und dachte „Lass, fertig ist besser als perfekt“, aber jetzt habe ich eine Socke, die ich nicht selbst tragen mag und die ich auch nicht verschenken will. Also ribbeln. Wenn jemand einen guten Tipp hat, was man mit so einem Garn machen kann: Immer her damit, ich bin da sehr denkbar.

Die Restesocken sind ja jetzt nicht mein erster Versuch, sondern der dritte, glaube ich. Dieses Mal habe ich ein Kaffeebohnen-Muster-Bündchen versucht, aber das ist zu stramm, also auch hier wieder ribbeln. Die Socken möchte ich verschenken, die Physiotherapeutinnen des Kindes sollen was bekommen, weil sie sich immer so viel Mühe geben.

Schön, aber einfach zu stramm.

Reiche behinderte Kinder sind nur halb so behindert wie arme, fürchte ich.

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Ach je. Das Kind hat ja eine leichte körperliche Behinderung, ich weiß nicht, ob ich das schon mal erwähnt hab. Es läuft nicht, vielleicht später mal, aber bisher ist mit Fortbewegung nun mal Essig. Kinderwagen geht natürlich in der City super, aber für den nächsten Urlaub und aus reinem Bedürfnis muss demnächst mal so ne Kraxe her. Das Tragetuch war lange richtig toll, dann war die Trage besser, weil so ein Kind irgendwann zu lang und zu schwer wird um es vorne zu tragen und jetzt ist es glaube ich so langsam mal die Kraxe.

Keine Sorge, sobald ich mich hier ausgekotzt habe geht es auch gleich um Restesocken.

Ist ja eh krass, dass man mit einem Kinderwagen fast so stark auf Barrierefreiheit angewiesen ist wie jemand im Rolli. Deswegen habe ich den Wurm das erste Jahr durch auch fast nur getragen. War also in erster Linie Faulheit. Weil ich keine Lust hatte, immer Umwege zu gehen, bis ich an den barrierefreien Eingang mit Aufzug komme. Ihr könnt mich mal, ich schnalle mir den Köttel um und gehe vorne durch die Tür.

Kraxe für den Köttel

Was ich aber jetzt bei den Kraxen so richtig merke: Wie machen das eigentlich arme Leute? Leute, die nicht mal eben 200, 300, 400 Euro für einen Wanderrucksack mit Kinderfunktion raushauen können? Ein Tragetuch geht ja noch, das kriegst du beim dämlichen Mamikreisel für nen Fuffi. Ist ja sogar billiger als Kinderwagen. Aber auch die: Kriegste billig, aber so schäbig baumelt dann dein Kind da auch drin rum.

So eine Kraxe die ich gut finde kostet also nun um die 300 Euro. Minimum. Ich rede mir das schön, weil wir sie mit dem Kind ja lange brauchen werden, weil es ja nicht von heute auf morgen wird laufen können und weil man da auch Stauraum mit kauft und sich selbst einen gesunden Rücken, denn der leidet mittlerweile, oh, wie der leidet, der Wurm ist schwer, die Einkäufe sind schwer, die Stadt hat viele Hügel, aber dennoch: teuer. Und die Eltern, die sich Zeug nicht leisten können, oder vielleicht auch einfach gar nicht wissen, dass es Zeug gibt, weil sie nicht den halben Tag im Büro vor Facebook verpimmeln, sondern nützliche, richtige Jobs machen, diese Eltern treffe ich dann manchmal in der Frühförderstelle. Oh, dünnes Eis, ich weiß. Was ich damit sagen will: Ich glaube, öfter als uns lieb ist ist die Behinderung eines Kindes gar nicht angeboren sondern ist ein Systemfehler. Und ich meine damit überhaupt nicht, dass die Eltern einen schlechten Job machen. Das ist glaube ich echt nur wirklich selten der Fall. Aber da fehlen dann Infos, da fehlt dann Geld, dann fehlt dann Geduld weil das Geld fehlt…

Give! The! Money!

Und wir haben Glück und das Kind wird gefördert wie blöde und wir können uns meistens irgendwas leisten und haben Bücher gelesen, weil unsere Eltern uns immer schon welche gegeben haben, also haben wir auch jetzt welche und lesen sie und wissen Sachen, die wir beim Kind anwenden, und wir geben auch dem Kind Bücher, denn auch wenn es nie laufen lernt und sowieso nie eine Sportskanone wird, Bücher lesen geht immer, und das Würmchen liebt sie, die Bücher, und schaut und schaut und schaut sich die Bilder an.

Boah endlich, die Socken.

Ich stricke dazu an den Abenden Reste weg und bin fast ein bisschen traurig, dass die Restesocken schöner sind als der ganze Shit, den ich mit so viel Mühe sonst so raus haue. Dieses Mal sind es zwei selbstgestreifte Wollen gegeneinanderverzwirbelt, also jede Runde gewechselt. Spitze und Bündchen einfach in schwarz. Als Ferse habe ich mir Vanilla is the new black ausgesucht, die ich für überteuert halte, aber eben schön. Bündchen: Erstes Mal Mäusezähnchen. Lästig, altbacken, nicht das was ich erwartet habe. Und null elastisch.

Geilen Jogger hab ich da auch noch an!

Die erste Socke habe ich Cuff down gestrickt, die zweite Toe up. Ich bleibe beim Toe up, vor allem bei Restesocken. Dann kann man stricken, bis die Wolle alle ist und muss sich keine Sorgen machen, ob sie langt. Mega ist deswegen, dass es die Vanilla-Ferse auch in einer Toe-up-Version gibt. Dafür habe ich dann tatsächlich mal das Geld ausgegeben (nicht wie für die Cuff-down-Variante, auf die ich einfach lange draufgestarrt habe, und dann ging es auch), und es hat sich gelohnt. Die sieht halt geil aus und allein wäre ich nicht drauf gekommen.

Aaaah, die Ferse. So hübsche Rippchen.

Falls sich jemand fragt, wie sich sicherstelle, dass ich genug Reste für zwei Socken habe: Ich wickele die Knäuel per Hand, dann wickele ich sie wieder ab auf ein zweites, bis ich sie halbiert habe und dann geht’s los.

Vorne kraus rechts

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Weil ich auch scheiße geschlafen habe und beschlossen habe, nur Mutter und nie Hausfrau zu sein, mache ich deswegen auch keinen Dreck weg, sondern trinke den üblen Kaffee und stricke Toe-Up Socken, grob orientiert an den Rye-Socks von Ravelry.

Ich sitze zu Hause, stricke Toe-up-Socken und trinke Filterkaffee aus sehr, sehr altem, sehr üblem Moccapulver. War so nicht geplant. Eigentlich hätte das Kind gerade Heilpädagogik, ich hätte in der Frühförderstelle einen leckeren Kaffee getrunken, und dann ab zum Nickerchen.

Nickerchen wurde vorgezogen wegen einer ziemlich unruhigen Schnupfen-Nacht. Ich wusste vorher nicht, dass Schnupfen dafür sorgt, dass Kinder glauben zu ersticken. Das Kind wird panisch, wenn die kleine Nase sich zusetzt und weint fürchterlich. Lässt sich nur mit Milch beruhigen und pinkelt dann alles voll. Ist dann sauer, wenn es einen Klamottenwechsel mitmachen muss. Will dann nicht mehr weiterschlafen. Ist dann statt um 13 Uhr halt schon um 10:15 wieder in der Kiste. Machste nix.

Nice, oder? Mehr Muster wäre bei der Wolle eh nicht gegangen.

Sind halt Socken mit einem Streifen krausrechts vorne. Wie man die Spitze und so strickt ist vermutlich jedem selbst überlassen. Ich mache solche „Muster“ ganz gerne, wenn mir Stinos zu langweilig sind, aber richtige Muster mich dabei stören würden, Gran Hotel auf Netflix zu schauen. Staffel drei rockt sehr hart, viel Unfug, Julio hat wieder mal wahnsinnige Selbstheiliungskräfte und alle Unschuldigen fassen immer, wenn sie über eine Leiche stolpern, erst mal gründlich von allen Seiten die Mordwaffe an.


EDIT: Die Dinger sind fertig.

Normale Socken heißt bei mir mittlerweile eigentlich immer von der Spitze und mit Fish Lips Kiss Heel. Mittlerweile sind die Socken auch fertig geworden, im Skiurlaub, in dem ich wenig Ski gefahren bin, weil ich das eigentlich gar nicht so gerne mache. Damit kann man sich echte Entrüstung zuziehen. Die Leute schauen einen dann an, als hätte man gestanden, dass man gerade ein Anal Plug trägt. Pff. Dafür hab ich die schöneren Socken.

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Da sindse, die Socken. Eigentlich mag ich so Wolle nicht so gern, geschippert sagt meine Oma immer dazu, aber in kraus rechts sieht das ganz gut aus irgendwie.