Eine Hand hält ein lecker aussehendes Getränk in einem Glas hoch, es ist rosa, eiskalt und schaumig und mit einem Minzblatt verziert. Im Hintergrund kann man verschwommen ein kleines Kind in einem Sandkasten erkennen.

Sie sind der Profi für ihr Kind

Allgemein

Die gutmeinenden Menschen in all den Förderinstitutionen machen mich fertig. Das Kind ist jetzt zwei, es dreht also eine Diagnoserunde bei allen behandelnden Ärzt*innen vorbei, Frühförderstelle, sozialpädiatrisches Zentrum, normale Kinderärztin, alle wollen mal gucken, alle meinen noch mal nachmessen zu müssen, als sei ein Kind zu wiegen eine solche Kunst, alle kommen zum gleichen Ergebnis („bisschen schmal, aber schon okay“) und alle loben uns Eltern viel, ganz engagiert, ganz toll sowas, und dann sagen alle, nachdem sie einem eine Stunde lang gesagt haben, was man machen soll: „Aber Sie sind die Experten, niemand kennt ihr Kind so gut wie sie, sie sind da die Profis.“

Laien-Therapeut*in

Wozu frage ich euch dann, ihr Vollprofis? Ich weiß, das ist gut gemeint. Empowerment und so. Die Eltern einbeziehen, nein, nicht nur einbeziehen, sondern bestärken und all das. Aber manchmal wünsche ich mir echte Profis, die mir sagen, was ich tun soll. Klar kenne ich mein Kind gut. Aber ich habe doch keine Ahnung, was ich tue! Ich bin dafür nicht ausgebildet! Das ist das erst Kind das ich großziehe, mit Einschränkungen hab ich schon mal gar keine Erfahrung, geht mir also weg mit „Sie sind der Profi“. Ich tue mein bestes, offenbar klappt das gut, denn ganz oft schlagen die Profis uns Sachen vor, die wir Eltern sowieso schon die ganze Zeit machen, offenbar haben wir eine gute Intuition oder können einfach ordentlich googeln. Ich glaube auch, dass die Fachleute in den Fördereinrichtungen Kummer gewohnt sind und noch mal ganz andere Eltern kennenlernen. Da kann man schon froh sein, wenn die zum Termin kommen.

So viele Socken

Ist aber ja nicht so, als wenn das Leben nur Essig wäre und Therapie. Nein, es ist auch aufräumen und sich mit Ämtern rumärgern, määhähä. Okay, und abends stricken, wenn das Würmchen niedlich schlummert, völlig fertig vom Tag, weil das Kind wieder so wahnsinnig viel erlebt hat. Neulich hat es ein Pferd gestreichelt, davon gebärdet es immer noch ganz aufgeregt. Und Abends dann also die Socken. Ich hing so an der Nadel (uuuh, Kalauer), dass ich nicht mal alle fotografiert habe.

Ich will weniger Ski fahren.

Allgemein

Ich hab mich vor einer Weile in Vanilla is the new Black verliebt. Nicht nur, weil Orange is the new Black so eine wahnsinnig gute Serie ist, ich mag auch gern kleine Details, um die man drumherum einfach nur stumpf glatt rechts stricken kann. Schön beim Netflixen. Oder im Skiurlaub, neulich in der Schweiz, wobei Winterurlaub es besser trifft. Das Kind ist noch zu klein und unbeholfen zum Skifahren und ich brauche im Urlaub immer dringend viel Zeit, um vor dem Kamin day drinking zu machen, denn einer muss es ja machen, macht ja sonst keiner, die immer alle so „Ab auf die Piste!“ und dann fahren die runter und runter und runter und essen die Brote im Lift, um keine Zeit zu verlieren und ich so „Bäh, nä, ich mach mal ein Feuer und esse noch ein Ei und dann können wir mal gucken, vielleicht komme ich nach, um eins oder so“ und die dann so „aber das lohnt sich gar nicht mehr“ und ich bin dann irgendwann ruhig und denke mir „ich will doch überhaupt nicht so viel Skifahren, hast du mich mal angeguckt, ich hab keine Kondition, ich mache keinen Sport, ich stricke socken und denke über Sachen nach und beruflich denke ich auch über Sachen nach und tippe statt zu stricken oder denke mir was aus, aber es ist insgesamt mit meinem Privatleben gut vergleichbar und gibt insgesamt ein harmonisches Bild ab für mich.

Hab dann also im Urlaub auch ein gutes Stück gestrickt. Nicht nur die Rye-Socken sind fertig geworden, ich bin auch noch dazu gekommen, die da oben anzunadeln. Ich kann an dieser Stelle die Anleitung nicht wirklich empfehlen, weil ich sie nicht gekauft habe. Ich fand die immer so schön aber irgendwie sehe ich nicht ein, für so ein paar Rippen auf der Ferse fast sechs kanadische Dollar auszugeben. Ohne jetzt zu wissen, wie viel das in Euro wäre. Also habe ich lange auf die Ferse gestarrt und bin auch so drauf gekommen. Es ist halt eine Variante der Zunahemferse.

Sitzt gut und sieht gut aus

Wie die Zunahmeferse sitzt das Ding ganz schön gut und ist unglaublich easy zu stricken. Außerdem wird das Muster der Wolle nicht verhunzt. Und weil die Ferse so schön geworden ist, ich aber eigentlich Toe-Up-Strickerin bin, wollte ich unbedingt auch die Variante von unten können. Das hat dann aber per Draufstarren nicht geklappt, also habe ich dann doch die blöden sechs kanadischen Dollar ausgegeben. Ist in Euro bisschen weniger. Trotzdem frech für ne Ferse, wenn ihr mich fragt, zumal die Fish Lips Kiss Heel nur einen Euro kostet und eine wahnsinnig tolle Anleitung rund ums Sockenstricken beinhaltet. Mehr muss man nicht wissen, niemals. Ich hab die Vanilla Reversed noch nicht getestet, aber wehe das Ding wird nicht gut.